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Waldmeister – welch handfester Name für ein anmutiges Kräutlein! Doch obschon so zart, meistert es beharrlich sein Auskommen in lichten Laubwäldern und Gärten.
Im Mai und Juni blüht die Pflanze, die ob ihrer Verwendung auch Duftlabkraut, Waldtee und Herzfreund genannt wird. Also sputen wir uns, möglichst noch vor Beginn der Blüte die quirlig um den Stängel angeordneten Blättchen zu zupfen.
Das Kraut wird kurz und kräftig abgebraust und trocken getupft. Dann lassen wir es, ausgebreitet auf einem Holzbrett, einen Tag lang welken. Das ist notwendig, damit der Meister seine Duftstoffe entwickeln kann.
Das Kraut ist wohldosiert zu genießen. Zu große Mengen könnten Kopfschmerzen verursachen. Da ist es gut zu wissen, dass die Waldmeisterblättchen sehr ergiebig würzen. Es reicht also, wenige Blättchen in etwas Apfelsaft, Weißwein oder Sekt zu geben. Nach dem Abseihen kann der Kräuteransatz mit den Getränken vermischt werden. Oder wir verwenden Waldmeistersirup.
Waldmeistersirup
1 l Wasser mit 1 kg Zucker aufkochen. Den Saft und die Schale von 2 bis 4 Zitronen (Anzahl ist Sache des eigenen Geschmacks) sowie 20 g Waldmeisterblättchen hinzufügen. Den Sirup 2 Tage lang kühl und dunkel ziehen lassen, dann abseihen und in Flaschen füllen.
Mit dem Sirup lassen sich Süßspeisen, Liköre und Eis abschmecken. Oder eine Fruchtsaftschorle und Tee. Oder wir marinieren Erdbeeren. Unentbehrlich ist Waldmeistersirup für eine Ur-Berliner Institution: die Weiße mit Schuss. Die Berliner Weiße ist ein spezielles Weizenbier. Dieses wird mit einem Schwaps (=Schuss) Himbeer- oder Waldmeistersirup versetzt und in bauchigen Gläsern mit einem Trinkhalm serviert.
Der Klassiker an sich ist die Mai-Bowle. Früher glaubte man, dass Hexen sich durch den Waldmeister vertreiben ließen. Und da die Besenreiterinnen zu Walpurgis, also in der Nacht zum 1. Mai, auch heute noch ganz besonders rastlos unterwegs sind, fügt es sich glücklich, den Mai mit einem Herzfreund zu beginnen.
Mai-Bowle
2-3 Stängel welkes Waldmeisterkraut in 1 l Weißwein ziehen lassen. Einen Tag kühl stellen, gelegentlich umrühren. Wein abseihen. 2-4 EL Zucker in wenig heißem Wasser auflösen und dem Wein untermischen. Die Zuckermenge richtet sich nach der Weinsäure und wie süß man es gern hätte. Zum Servieren wird der Wein mit kühlem Sekt aufgespritzt.
Die Mai-Bowle schmeckt übers ganze Jahr und natürlich auch ganz ohne Hexenzauber. Wir variieren sie mit Apfelsaft und Kräutertee, mal mit, mal ohne Wein und Sekt.